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I Live Until I Dry 2025 - 2026 

Moore sind Feuchtgebiete, in denen sich ökologische Prozesse und kulturelle Bedeutungen überlagern. Historisch galten sie als schwer zugängliche, mythisch aufgeladene Landschaften, bis sie im Zuge der Industrialisierung zu vermeintlich unproduktiven Ödflächen erklärt, entwässert und weitgehend umgewandelt wurden. Angesichts der ökologischen Krise und der zentralen Rolle von Mooren für Biodiversität, Klima und Wasserhaushalt wächst die Dringlichkeit, ihren Verlust nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch kulturell und wahrnehmungstheoretisch zu reflektieren. Renaturierung, Wieder- vernässung und Schutzmaßnahmen erfordern daher nicht nur technische Eingriffe, sondern auch eine Rekalibrierung der Wahrnehmung – eine alternative Bewertung lebendiger Landschaften.
 

I Live Until I Dry versteht sich als prozessualer Ort einer solchen alternativen Bewertung. Materialorientierte Prozesse des Durchtränkens, Trocknens und Brennens von Torfmoosen und Tonschlicker machen Beziehungen zwischen unterschiedlichen Körperlichkeiten sichtbar: zwischen Moorkörper und Menschenkörper; zwischen organischem und mineralischem Werden. In den keramischen Arbeiten, in denen das organische Material beim Brand entweicht und eine poröse, mineralische Struktur zurückbleibt, werden Transforma- tionen erfahrbar, die gängige Vorstellungen von Lebendigkeit, Zeitlichkeit und Vulnerabilität infrage stellen. Daraus entwickelt die Arbeit eine Perspektive, die den menschlichen Körper nicht als abgeschlossene Einheit, sondern als prozessual und materiell verflochten begreift. Flüssigkeit fungiert dabei als Zugang, um Beziehungen zwischen Körpern, Landschaften und tiefenzeitlichen Prozessen sichtbar zu machen.
 

Die Publikation I Live Until I Dry erscheint als eigenständiges Werk und als Begleitung der Ausstellung. Sie bündelt ein Jahr künstlerischer Forschung und verbindet multimediale Materialexperimente und keramische Arbeiten, die im Rahmen der AoCG-Residency in der Gmundner Keramik entstanden sind, mit Feldforschungen in unterschiedlichen Moorlandschaften sowie poetischen und theoretischen Reflexionen aus Posthumanismus und Umweltgeschichte.

© 2026 by Helena Sekot

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